17.02.2026 / MQ

Mitglieder-Information Tarifrunde TV-L 2026

Warnstreik in Düsseldorf am 10. Februar 2026 (Foto: ©komba Fachgruppe LBS)

Kritische Einordnung des aktuellen Tarifabschlusses für die Beschäftigten im Straßenbau

Liebe Kolleg*innen der komba Fachgruppe Straßenbau,

nach intensiven und langen Verhandlungen liegt seit dem 14. Februar ein neuer Tarifabschluss im Bereich des TV-L vor. Einige von euch haben uns bereits ihre Rückmeldungen gegeben – und diese sind überwiegend kritisch. Als komba Fachgruppe Straßenbau möchten wir euch ausführlich informieren, das Ergebnis einordnen und auch selbstkritisch bewerten.

Der Abschluss ist ein Kompromiss unter schwierigen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Er ist zugleich deutlich hinter unseren Erwartungen und den berechtigten Forderungen vieler Beschäftigter zurückgeblieben. 

 

Schwierige Verhandlungen mit harter Blockadehaltung

Die Gespräche mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder verliefen äußerst schwierig. Insbesondere der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel, zeigte über weite Strecken eine sehr harte Linie.

Die Arbeitgeber verwiesen immer wieder auf:

• angespannte Haushaltslagen der Länder
• steigende Zinslasten und Investitionsbedarf
• Verpflichtungen zur verfassungskonformen Besoldung der Beamtinnen und Beamten

Diese Argumente bestimmten die Verhandlungen massiv und führten zu einer klaren Blockadehaltung gegenüber vielen berechtigten Forderungen der Gewerkschaften. Besonders kritisch war der Versuch der Arbeitgeberseite, den Begriff des Arbeitsvorgangs bei der Eingruppierung zu verändern. Das hätte zu massiven Herabgruppierungen geführt – auch im Straßenbau. Dass diese Verschlechterung abgewehrt werden konnte, ist ein wichtiger Erfolg gewerkschaftlicher Standhaftigkeit.

 

Was am Tarifabschluss besonders enttäuscht

1. Sonderzahlung bleibt hinter TVöD zurück

Die Jahressonderzahlung wurde nicht an das Niveau des TVöD angepasst.
Das bedeutet:

• weiterhin deutlicher Abstand zu kommunalen Beschäftigten
• strukturelle Ungleichbehandlung der Landesbeschäftigten
• fehlende Anerkennung der Leistung im Straßenbau

Gerade Kolleginnen und Kollegen, die täglich unter schwierigen Witterungs- und Baustellenbedingungen arbeiten, empfinden dies als klare Geringschätzung.

2. Kein stufengleicher Aufstieg bei Höhergruppierung

Die Forderung nach einem stufengleichen Aufstieg wurde erneut nicht umgesetzt.
Das ist besonders problematisch im Straßenbau, wo durch:

• neue Verantwortungsbereiche
• technische Qualifizierungen
• Projektleitung oder Bauüberwachung

regelmäßig Höhergruppierungen entstehen.
Niemand darf finanziell schlechter gestellt werden, wenn er mehr Verantwortung übernimmt.

3. Kein zusätzlicher Urlaubstag

Während im TVöD ein zusätzlicher Urlaubstag erreicht wurde, fehlt dieser im TV-L.
Mögliche Gründe dafür könnten sein:

• hoher Anteil an Justiz- und Pflegebeschäftigten mit zwingender Präsenzpflicht
• Angst der Länder vor Personalausfällen
• politischer Sparzwang in Zeiten klammer Haushalte

Trotzdem bleibt festzuhalten: Die körperliche und mentale Belastung im Straßenbau ist hoch. Ein zusätzlicher freier Tag wäre gerechtfertigt gewesen.

 

Tarifabschluss und Inflation – Reallohn oder Verlust?

Die Inflationsentwicklung der letzten Jahre lag ungefähr bei:

• 2023: ca. 5-6 %
• 2024: ca. 2-3 %
• aktuell: ca. 2-3 %

Damit ergibt sich über mehrere Jahre ein Kaufkraftverlust von etwa 10–12 %.

Die vereinbarten Entgeltsteigerungen liegen je nach Entgeltgruppe und Stufe in ähnlicher Größenordnung – teilweise darunter. Das bedeutet:

• für einige Beschäftigte nur minimaler Reallohngewinn
• für andere real weiterhin Verlust
• strukturelle Probleme bleiben ungelöst

Der Abschluss gleicht die Preissteigerungen nicht vollständig aus.

 

Selbstkritische Betrachtung – Beteiligung an Warnstreiks

Tarifergebnisse entstehen nicht nur am Verhandlungstisch im Hotel Potsdam. Dies haben wir mehrfach auf Personalverhandlungen betont. Von rund 400 Mitgliedern der Fachgruppe Straßenbau beteiligten sich gerade mal etwa 20 Kolleginnen und Kollegen an Warnstreiks.

Das ist deutlich zu wenig.

Eine geringe Beteiligung signalisiert den Arbeitgebern fehlenden Druck. Eine geringe Sichtbarkeit von Unzufriedenheit wirkt sich unmittelbar auf Tarifabschlüsse aus. Tarifpolitik lebt von Solidarität und Beteiligung. Beim nächsten Mal müssen wir stärker auftreten.

 

Gesamtbewertung

Dieser Tarifabschluss ist:

• kein Erfolg im Sinne unserer Erwartungen
• kein völliger Misserfolg, da Verschlechterungen verhindert wurden
• ein Kompromiss unter schwierigen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen

Er zeigt aber deutlich, dass Landesbeschäftigte weiterhin hinter kommunalen Beschäftigten zurückstehen.

 

Zum Hintergrund

Die Länder stehen finanziell unter Druck:

• steigende Investitionskosten in Infrastruktur und Digitalisierung
• Verpflichtung zu verfassungskonformer Beamtenbesoldung
• hohe Personalkosten in Justiz, Bildung und Pflege

Diese Faktoren begrenzen den Spielraum – erklären aber nicht vollständig die fehlende Wertschätzung für Tarifbeschäftigte. Gerade der Straßenbau ist Grundlage funktionierender Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung.

 

Unser Auftrag für die nächste Tarifrunde

• Mitglieder gewinnen
• Beteiligung an Warnstreiks erhöhen
• Forderungen frühzeitig vorbereiten
• strukturelle Themen konsequent verfolgen

Nur starke Gewerkschaften erreichen bessere Abschlüsse.

 

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen erhaltet ihr über eure örtlichen Vertrauensleute oder auf der Website der komba NRW oder der Sonderseite des dbb.
Noch kein Mitglied? Eine starke Interessenvertretung braucht jede und jeden von uns.

 

Eure komba Fachgruppe Straßenbau
Michael Quente und Ahmed Watti
Vorsitzende der Fachgruppe Straßenbau

 

Mitglieder-Info als PDF-Dokument zum Downloaden

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